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1873 - 1899

Während in Süd- und Mitteldeutschland bereits Mitte des 19. Jahrhunderts der freiwillige Zusammenschluss begeisterter
Männer zum Kampf gegen das Element, dass als Schreckgespenst stündlich drohte, und dem nur durch gemeinsames Wirken
erfolgreich beizukommen ist, war es in Schleswig-Holstein erst nach Beendigung des deutsch-französischen Krieges möglich,
den Gedanken, das Feuerlöschwesen auf freiwillige Grundlage zu stellen und zur Tat reifen zu lassen.

Als im Februar 1873 die Segeberger Wehr gegründet wurde, gehörte schon ein bisschen Mut dazu, sich dieser mit Weitblick
und Opferbereitschaft auszeichenden Vereinigung anzuschließen.
Aus den Berichten und Protokollbüchern werden immer wieder Geschichten berichtet, dass dieser Gründung anfangs
wenig Verständnis entgegen gebracht wurde.
Aus der Bürgerschaft kamen immer wieder Spötteleien und Missgunst, um den Wehrleuten ihre Arbeit zu verekeln.
Die kleine Schar der ersten Stunde arbeitete aber an ihrem Können und der Vervollkommnung der Ausbildung.
Dieses wurde schon bald bei jedem Mal, wenn sie zu einer ernsten Tätigkeit gerufen wurden, sichtbar.
Es zeigte sich der erste Erfolg, als die Bürgerschaft begriff, welch wichtigen Teil der Sicherheit Segebergs
diese neue Einrichtung bildete.

Bis zum Jahre 1873 wurde das Feuerlöschwesen in Segeberg so gehandhabt, dass beim Ausbruch eines Feuers jeder
Hausbesitzer verpflichtet war, einen Mann mit nötigem Gerät (Löscheimer, Nothaken, Leiter) an die Brandstelle zu entsenden.
Natürlich kamen die Hausbesitzer selten selbst, sondern schickten ihren Knecht oder ihren Lehrling - manchmal sogar die Dienstmagd.
Man kann sich denken, welch eine Freude es gewesen sein muss, als städt. Brandkommissar mit solch einer “Mannschaft“
zu arbeiten und wie viel kostbare Zeit vertrödelt wurde, bis alle versammelt waren. Außer dieser „Mustergarde“ standen,
nebenbei gesagt, auch noch besondere Spritzenmannschaften dem Kommissar zur Verfügung.
Da diese aber entlohnt wurden, waren sie natürlich auch immer pünktlich zur Stelle, konnten aber mit ihren Spritzen
nichts anrichten, da die anderen oben beschriebenen Hilfskräfte, die für die Wasserversorgung zuständig waren,
einfach nicht da waren. Und wenn sie kamen, schauten sie sich das Spektakel erstmal lieber an, als sich in Reih und
Glied aufzustellen, um die Eimer von Hand zu Hand wandern zu lassen.

Dieses leidliche Unglück veranlasste einige Bürgersleute, darunter der Kaufmann Storch, Stadtrat Kühne, Zimmermeister
Theege und Tierarzt Dr. Iwersen
, zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr nach dem Muster Neumünsters und Kiels.
Diese Anregung fiel auf fruchtbaren Boden und 16 Männer meldeten sich sofort der Wehr beizutreten, 8 weitere folgten
ein paar Monate später. Die Stadtvertretung stand dieser Sache mit viel Sympathie gegenüber und schaffte acht Handspritzen
an und bewilligte auch die Mittel zur Anfertigung einfacher Uniformen.
Nachdem der Kaufmann Storch zum ersten Hauptmann gewählt wurde, konnte die Wehr ihre Arbeit zum Schutze unserer
Heimatstadt und ihren Mitbürgern aufnehmen.

Nach einigen Jahren hatte die Wehr endlich die nötige Anerkennung in der Bürgerschaft erworben. Dennoch führten die
Drillichröcke, die die Wehrleute trugen, immer wieder zu Spöttelein. Da auch noch eine Armbinde getragen wurde,
die die Abkürzung „H.Sp.“ (Handspritze) trug, wurde daraus der Volkswitz „Heispringer“ (Grasshüpfer) gemacht.
Dies führte dazu, dass Übungen geheim gehalten wurden, um so den Neckereien zu entgehen. Im Jahre 1891 wurde diesem
Spiel ein Ende gesetzt und neue Uniformen beschafft – diesmal aus grauem Tuch, was auch wesentlich pflegeleichter war.
Bereits im Jahre 1876 überstellte die Stadtvertretung die Spritze Nr. 4 von der Zwangswehr an die Freiwillige Feuerwehr.
Dies war eine Genugtuung und Anerkennung für die bereits erfolgreiche Arbeit unserer Wehr.
Der Mitgliederbestand betrug bereits 54 Mann.
Der Schlossermeister Kropff und der Schuhmachermeister Damlos waren noch aktiv und gehörten zu den denen,
die in den ersten Jahren eingetreten waren.

Neben der Freiwilligen Feuerwehr bestand immer noch die Zwangswehr. Diese musste aber immer wieder feststellen,
dass bei einem Feueralarm immer die Freiwillige Feuerwehr schon angefangen hatte zu löschen. Dies bedeutete, dass
auch die Freiwillige Feuerwehr immer die Prämie, die es für die zuerst eintreffende Löschmannschaft gab, kassierte.
Ihre 1.Prämie bekam die Freiwillige Feuerwehr am 10.01.1876 für ein Feuer in der Hamburger Strasse, bei Seydel.

Im Jahre 1878 beschwerte sich der Führer der Zwangswehr beider Stadtvertretung, weil seine Zwangswehr seit Jahren
keine Prämie mehr erhalten habe. War das Feuer gelöscht, zog sich die Freiwillige Feuerwehr zurück, da die
Aufräumarbeiten der Zwangswehr vorbehalten war.
Nun war es aber auch noch so, dass die Zwangswehr in zwei Abteilungen arbeitete- für den Ostbezirk
(Lübecker Strasse, Oldesloer Strasse und die Hälfte der Kirchstrasse) und den Westbezirk
(Hamburger Strasse, Kieler Strasse (heute Kurhausstrasse) und die andere Hälfte der Kirchstrasse).
Brannte es in dem anderen Bezirk, ließ es den anderen Teil der Zwangswehr völlig kalt.

Aktive Mitglieder von 1883

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Die Geschlossenheit und Zuverlässigkeit der Freiwilligen Feuerwehr führte dazu, dass die Anerkennung in der
Bürgerschaft wuchs. Viele Bürger, die städtische Spar- und Leihkasse, sowie verschiedene Vereine und Geschäfte
steuerten als passive Mitglieder Geld und Sachspenden bei.

Diese Unterstützung erfährt unsere Wehr bis zum heutigen Tage.
An dieser Unterstützung, dies muss hier auch einmal gesagt werden, fehlte es unserer Wehr nie!

Im Jahre 1897 trieb ein Brandstifter sein Unwesen und legte 8 Mal Feuer.

Die Stadtvertretung fasste im Jahre 1899 einen entscheiden Beschluss – die Neuordnung des Feuerlöschwesens.
Das gesamte Löschwesen wurde der Freiwilligen Feuerwehr unter städtischer Regie übertragen. Die damit verbundene,
schleichende Auflösung der Zwangswehr war zwar nicht mehr zu verhindern, zeigte aber welch eine Erfolgsgeschichte
die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr war. Die alte Löschverordnung stammte noch aus dänischer Zeit.
Jetzt wurden alle Kosten der Freiwilligen Feuerwehr von der Stadt übernommen.

 

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